Guten Tag Ihr Lieben!

Im Header seht Ihr unser Zeltlager auf unserer Radtour 2011 vom Mittelmeer zum Atlantik.

Im Bereich von Claudia könnt Ihr nachlesen wie die Überführungsfahrt der Streetmachine von Saarlouis nach Schloß Holte war.

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Ruhezone

Ruhezone

Ein Schild aus Holz, der Name sagt alles….

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Claudie on the drums

Mein erstes youtube-Video!!!!

Nothin’ else matters

 

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Streetmachine GTe

Reisebericht der Überführungsfahrt im Juni 2009

Mit der Streetmachine GTe von Saarlouis nach Schloß Holte

WARNUNG: An alle Liegeradler, die gern Zahlen lesen: die gibt’s hier nicht, weil mein Radl bis heute keinen Computer hat…vielleicht lässt der Nikolaus ja einen springen…

Tag Null

Nachdem ich endgültig entschlossen war, die Tour zu wagen, brauchte ich als erstes eine Unterkunft in Saarlouis. Im Internet finde ich die Telefonnummer von Frau P., die dort ein Zimmer vermietet. Auf meine Frage, ob sie wohl auch einen Gast für nur eine Nacht aufnähme, kommt erstmal ein nein, gefolgt von der erstaunten Frage, ob ich denn allein kommen wolle. In 2,3 Sätzen berichte ich ihr von meinem Vorhaben. Frau P. ist geradezu entsetzt – „als Frau alleine, nein, tun Sie das nicht – und es könnte Ihnen unterwegs schlecht werden!“ Diese Art „Ermutigung“ fehlt mir natürlich gerade noch… Frau P. ist ehrlich besorgt und besteht dann geradezu darauf mich aufzunehmen – eine Nacht hin oder her. Diese Verrückte wollte sie anscheinend persönlich kennenlernen.

Rückblickend war der gefährlichste Part meiner Reise die nun folgende Autofahrt mit meiner alten Freundin und Trauzeugin Jule von Schloss Holte bis Kaiserslautern Hauptbahnhof. Jule fährt nicht so gern Autobahn und zieht es vor, den Mini „sicherheitshalber“ stur auf der mittleren Spur zu halten, um im Ernstfall in jede Richtung einen Fluchtweg frei zu haben. Infolge wurden wir sowohl links als auch rechts überholt.

Die Zugfahrt verläuft ohne besondere Vorkommnisse und schon am Bahnhof in Saarlouis werde ich von Frau und Herrn P. nebst Beagle „Sabine“ ;-) herzlich in Empfang genommen. Ich schlafe tief und traumlos, allerdings nur bis 5:45 Uhr, was mir zur Gewohnheit werden sollte.

TAG EINS

Etwa 4 Stunden später stehe ich mit Familie P. vor dem Haus der Familie W., wo mich MEINE Streetmachine erwartet, die lt. Gerhard W. „schon mit den Hufen scharrt“.

 

Beim Anblick der Schotter-Auffahrt allerdings überkommt mich sofort die unangenehme Vorstellung vor den Augen der Familien P. und W. erstmal baden zu gehen, und ich wünsche mich in ein Mauseloch oder wenigstens zurück nach Schloss Holte. Ich hätte es vorgezogen, bis auf die Straße hinunter zu schieben, aber Gerhard gibt mir den guten Tipp, mich auf meine neue Maschine zu setzen und mich einfach herunterzurollen zu lassen. Auf der Straße angekommen setze ich meine Füße auf die Pedalen, was solange gutgeht, bis Gerhard eine Linkskurve fährt, die ich quasi im rechten Winkel nehmen muss. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich in meine Streetmachine von Anfang an ganz verliebt bin, und ich kann es gar nicht erwarten, dass endlich unsere erste gemeinsame Reise beginnt. Nachdem die Packtaschen befestigt und Familie P. sich verabschiedet hat, fahre ich in Begleitung von Gerhard bis an die Saar herunter.  Auf diesem Stückchen fiel mir schon auf, dass der Lenker entschieden zu weit vorn war, und Gerhard stellt ihn mir noch eben auf Länge meiner Arme ein. Ich wäre vermutlich daran gescheitert. Und trotz dieser meiner zwei linken Hände hatte mein lieber Björn mich mit Werkzeug geradezu überversorgt. Da packt frau aus Gewichtspargründen nur 1 (in Worten: eine!) Hose ein und dann stopft einem der liebe Gatte noch 5 kg Werkzeug in die Packtaschen!

Nun kommt erstmal die Kennenlernphase. Ich radel linksseitig an der Saar entlang, schalte runter und wieder rauf, fahre vorsichtig Schlangenlinien, mache das erste Foto an einem Brückengeländer

Streetmachine GTe

 

(es folgten noch 20 weitere Bückengeländerfotos), und übe bei meinen Foto-Stopps mehr oder weniger elegant das Auf- und Absteigen. Ich habe immer noch ein bißchen Herzklopfen UND es macht mir von Minute zu Minute mehr Spaß. Inzwischen ist es Nachmittag geworden und ich nähere mich Saarburg. Der Radweg führt von der Saar hoch auf eine Straße, wird steil und einem Feldweg ähnlich. Ich muss absteigen und schieben. Oben steht eine Gruppe Mountainbiker so um die 30, die es sich nicht nehmen lassen, mich mit La Ola zu empfangen, was ich mit „okay, für die Tour de France reicht’s bei mir noch nicht ganz“ kontere. Wir halten ein nettes Schwätzchen und einer von ihnen gibt mir den Tipp, unbedingt die Saarseite zu wechseln, weil ich sonst bis Saarburg quasi nur noch schieben würde. Ich tat wie mir geheißen und erreiche die Stadt – radelnd – auf ebenem Radweg. Auf der Suche nach einem Supermarkt treffe ich auf einen sein Rad schiebenden Schweizer Immigranten, der mich augenzwinkernd fragt, was denn das für ein komisches Möbel sei. Und wieder raus aus der Stadt werde ich auf der nächsten Brücke von einem Herrn älteren Semesters auf einer Streetmachine überholt, der mir zuruft:“He junge Frau! Wir zwei haben anscheinend denselben Geschmack – zumindest was das Rad betrifft!“ Er erzählt mir dann noch, dass er in der Gegend lebt und gerade für eine Reise in den hohen Norden trainiert. Vielleicht begegnet man sich ja mal im Forum wieder?

Kurz darauf pingelt mein Handy – das ist ein echt kommunikativer Tag – und Björn hat die Supernachricht, dass sich jemand aus dem Forum an ihn gewandt und eine Übernachtungsmöglichkeit für mich angeboten hat! Die Tochter der Familie befindet sich außer Haus, sodass ein Bett für mich frei sei. Der Haken an der Sache: die Familie wohnt nahe Trier, an der Mosel, und ich befand mich nach wie vor an der Saar, irgendwo kurz hinter Saarburg. Mangels Fahrradcomputer hatte ich keine Ahnung, wie viele km ich schon hinter mir hatte und mangels Fähigkeit, das von Freunden ausgeliehene Navi zu verstehen, noch weniger Ahnung, was ich noch vor mir haben sollte. Dass ich mich kurzerhand telefonisch mit der Familie B. in Verbindung setze, hat also weniger mit Optimismus als mit völliger Ahnungslosigkeit zu tun. Der liebe Arnold bot mir an, mir mit dem Rad entgegenzukommen und schon allein deshalb denke ich, es kann nicht mehr wirklich weit sein. Irrtum. Wir treffen uns also am frühen Abend bei Konz, und haben uns auf Anhieb gut verstanden, sodass die Zeit wie im Flug vergeht. Es dämmert langsam, als wir an einem kleinen Bahnhof ankommen, von wo aus wir den Zug nehmen wollen. Dieser soll aber erst in 25 Minuten kommen, und so beschließen wir gemeinsam, noch bis zum nächsten Bahnhof weiterzuradeln. Auf diesen letzten Kilometern war ich mir hundertprozentig sicher, dass ich niemals wieder weiter als zum nächstgelegenen Bäcker radeln würde. Mein Knie, das schon vor ein paar Stunden leicht aufgemuckt hatte, meldet jetzt deutliche „Ende-der-Fahnenstange“-Signale. Und das Tempo, das wir vorlegen müssen, um den Zug zu erreichen, tut sein Übriges, um meinem Kreislauf die letzte Reserve zu entlocken. Wir erreichen den Bahnhof 3 Minuten nachdem der Zug ihn verlassen hatte. Ich lasse mich auf dem Bahnsteig nieder und mir war es für ein paar Minuten wirklich egal, wo ich schlafen würde, Hauptsache dass. Arnold überlässt mir seinen letzten Apfel und so langsam kommt wieder Leben in mich. An den Weg vom Zielbahnhof schließlich zu meinem Quartier kann ich mich kaum mehr erinnern. Meine Erinnerung setzt wieder ein ab dem Moment, wo ich am gemütlichen Küchentisch vor einem Teller dampfender Nudeln gesessen habe, und als Arnolds Frau Veronika mir eine Tasse mit heißem Tee hinstellte, da war ich wirklich den Tränen nah. So ein Erlebnis dürfte meiner Meinung nach doch wohl jeden Menschen zurück auf seine Grundbedürfnisse bringen.

Meine Streetmachine darf im Keller übernachten und der Weg dieTreppe hinunter und wieder hinauf – um Zahnbürste und Schlafanzug aus der Packtasche zu kramen – war für meine Oberschenkel kaum mehr zu bewältigen.

TAG ZWEI

Tag zwei begann gegen 6 Uhr. Auf meinem Nachttischchen fand ich einen spannenden Roman, „Haus der Erinnerungen“, den ich kurzerhand von der Mitte bis zum Ende durchgelesen habe. Nach dem Frühstück verlädt Arnold mein Rad in den Kofferraum seines Autos, damit ich die Mosel, ohne Anstrengung ;-) , von oben zu sehen bekomme.

 

Der Himmel ist nicht ganz klar und doch ist die Aussicht wunderbar! Anschließend bringt Arnold mich wieder hinunter auf den Mosel-Radweg und entlässt mich – nicht ohne das Tretlager noch abschließend geradezurichten. Da ich im weiteren Verlauf meiner Reise keine gravierenden Knieprobleme mehr hatte, ist davon auszugehen, dass die Ursache damit behoben war. Arnold und ich verabschieden uns und kurz darauf befinde ich mich wieder allein auf einem Radweg – ohne Karte, ohne Ahnung vom Navi und der gestrige Tag sitzt mir in den Knochen. Ich komme nicht so recht in Schwung, irgendwann beginnen meine Beine zu zittern und, wahrscheinlich aus reiner Sympathie zu Frau P. aus S., wird mir tatsächlich übel! Das passt mir gerade überhaupt gar nicht! Ich lasse mich auf einer Bank mit idyllischem Moselblick nieder, mache eine Atemübung aus dem Yoga, trinke, esse und versorge mich mit 2 Sorten Globoli aus meiner homöopathischen Reiseapotheke. Tatsächlich geht es mir kurze Zeit später viel besser und ich traue mir die Weiterfahrt zu. Mein Tagesziel Cochem/Mosel habe ich zu dem Zeitpunkt schon abgeschrieben und das war die einzig richtige Entscheidung. Als ich Traben-Trarbach erreiche, setzt ein leichter Regen ein. Es ist ein Glücksfall, das ausgerechnet hier Fahrradboxen

 

zur Verfügung stehen, die meine Streetmachine samt Gepäck aufnehmen, während ich mir das „Mittelmosel-Museum“ anschaue.

 

In Bullay, 30 km vor Cochem, endet meine 2. Etappe. Der örtliche Bäcker (ich sagte ja bereits, dass ich in Zukunft nur noch bis zum Bäcker fahren wollte;-)) hat noch ein Gästezimmer frei, und einen Fahrradschuppen gibt es auch. Nein, abschließen bräuchte ich das Rad nicht, es wär noch nie was weggekommen. Ich bin skeptisch. Der Bäckermeister schiebt die Tür des Schuppens zu mit dem Kommentar, „morgen früh einfach den Riegel aufschieben, das Schloß ist nur Tarnung…“ und ich schiebe mich mit entschuldigendem Lächeln wieder an ihm vorbei, um mein Rad abzuschließen… Nach einer warmen Dusche mache ich mich zu Fuß auf den Weg zum Italiener und bestelle eine große Knoblauch-Spinat-Pizza zum mitnehmen. Ich lasse mich auf einer Bank unten an der Mosel nieder und mein angeschlagener Magen schafft immerhin gut 2/3 dieser unglaublich leckeren Mafiatorte. Als ich mich später in die Kissen sinken lassen will, schieße ich wieder hoch: ein leicht vorstehender Wirbel hat arg unter dem ungewohnten Druck gelitten und ich habe einen ziemlich schmerzhaften Bluterguss am unteren Rücken.

TAG DREI

Das Stellen des Handyweckers hätte ich mir sparen können. Ich sortiere meine Packtaschen komplett neu und komme trotzdem vor den Brötchen im Café an, wo das Frühstücksbuffet – eben bis auf die Brötchen – auf den hungrigen Gast wartet. Ich mache mir ein kleines Lunchpaket, weil ich in Eile bin. Da ich mein Tagesziel Cochem gestern nicht erreicht habe, nehme ich heute bis dorthin die Bahn. Von Cochem aus mache ich mich auf den Weg nach Koblenz. Ich fahre auf der linken Seite des Flusses, auf dem Radweg direkt neben der vielbefahrenen Uferstraße, und bin ganz und gar nicht glücklich darüber. Ich bin froh, als ich die nächste Brücke erreiche und überquere die Mosel – wieder einmal vollkommen ahnungslos, denn ein paar km weiter endet hier der Radweg und mein Schutzengel hat alle Hände voll zu tun, mich heil in den nächsten Ort zu geleiten! Ich rolle zwischen Felswand zur Rechten und dicken LKW zu meiner Linken bergab und schicke Stoßgebete zum Himmel. Unter der Moseltalbrücke steht ein Wagen, in dem eine Frau Kirschen verkauft. Sie macht mir wenig Hoffnung darauf, dass die Fähre im nächsten Ort heute in Betrieb ist und stellt mir einen Trip bis Koblenz auf der Hauptstraße in Aussicht. Gott sei Dank hat sie in Wirklichkeit keine Ahnung vom Fahrplan und so erreiche ich kurz darauf die rettende Fähre

und gelange problemlos auf die andere Seite der Mosel zurück. Eher als erwartet komme ich in Koblenz an, halte mich aber nur kurz am „Deutschen Eck“

auf, weil es mir dort nach der beschaulichen Mosellandschaft (mal abgesehen von den letzten paar km ;-) ) hektisch und überfüllt vorkommt. Bald darauf lese ich ein Hinweisschild nach „Neuwied“. Dort hat unser mittlerweile in Ruhestand getretener Pastor jahrelang die Gemeinde betreut und ich weiß, dass es günstige Gästezimmer im Gemeindeamt gibt. Obwohl ich absolut noch fit bin, checke ich in Neuwied ein. Bei Thalia kaufe ich mir eine Radfahrkarte Rhein/Ruhr. Ich habe mittlerweile die leise Ahnung, dass eine Karte auf einer Radreise durchaus sinnvoll sein kan. Seit Bernkastel-Kues an der Mosel fahre ich mit einer Ansichtskarte im Flaschenhalter, die mir zur Orientierung dient.

Die Zeichnung auf meiner „Karte“ endet allerdings unterhalb von Koblenz…

In der Fußgängerzone genieße ich in der untergehenden Sonne eine leckere Tomatensuppe und habe eine nette Unterhaltung mit dem Paar am Nebentisch. Später hole ich mir ein Eis auf die Hand und bummle am Rhein entlang.

TAG VIER

Ich bin schon wieder auf dem Radweg, noch bevor die Damen vom Gemeindeamt den Dienst antreten. Es stört mich nicht, dass es kein Frühstück gibt, denn um die Uhrzeit ist mein Magen eh noch nicht aufnahmebereit.

Auf dem Rhein-Radweg begegnen mir mehr Reiseradler als an Saar und Mosel zusammen. Bemerkenswert das Ehepaar aus Wien, das in Basel gestartet und wie ich auf dem Weg nach Köln ist: keine Spur von Ermüdungserscheinungen! Ich darf mich netterweise anschließen und fahre wahrscheinlich die schnellste Etappe meiner Reise. Kurz vor Köln machen die beiden Halt für eine Kaffeepause, und da ich noch zu Ladenöffnungszeiten den Lego-Shop erreichen will, trennen sich unsere Wege. Eine Großbaustelle direkt am Rhein erschwert mir erheblich das Vorankommen, ich muss den Radweg verlassen und mich mitten durch den dichten Verkehr bis in die Innenstadt vorkämpfen. Der Moment, mein Rad vor dem gewaltigen

Kölner Dom zu sehen, hätte mir nochmal einen Motivationsschub geben können, aber ich hatte mich schon unterwegs entschieden, am folgenden Tag meine Familie mit meiner Heimkehr zu überraschen. Mein ältester Sohn hat einen Auftritt in der Schule, den ich ungern verpassen will. Ab Köln nehme ich die Bahn Richtung Meerbusch, wo ich abermals bei meiner Gemeinde untekomme; unsere Düsseldorfer Pastorin hat ein Sofa für mich frei. Da die Katharina ebenfalls begeisterte Reiseradlerin ist, haben wir diesen ersten lauwarmen Sommerabend fachsimpelnd im Biergarten über einem großen, leckeren Salatteller verbracht.

TAG FÜNF

Die Ruhr habe ich gestrichen, aber so ganz mit der Bahn bis nach Haus, das kommt auch nicht in Frage. Ich radle bis zum Düsseldorfer Hauptbahnhof , kaufe ein Ticket bis Oelde und schreibe in Gedanken schon an meinem Reisebericht. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Stolz auf die hinter mich gebrachte Strecke und Unzufriedenheit über mein vorzeitiges Aufgeben. Auf dem Bahnsteig werde ich von einem Wichtigtuer aus meinen Gedanken geholt, der dumme Sprüche über Liegeräder von sich gibt und furchtbar viele Leute zu kennen angibt, die gigantische Radreisen bewältigt haben, allesamt Helden im Vergleich zu mir… Meine Stimmung ist auf dem Nullpunkt. Im Fahrradabteil treffe ich dann glücklicherweise auf eine fröhliche Combo, die einen Firmenausflug vor sich hat, und es geht mir bald wieder besser. Später steigt eine weitere Radfahrerin zu, die mich Gott sei Dank davon abhält, vor Oelde auszusteigen. Sie kann mir zwar auch nicht sagen, wie viele km vor mir liegen, aber Oelde-Gütersloh reiche sicherlich aus für eine halbe Tagesstrecke, und es geht schon auf Mittag zu. In Oelde schiebe ich die Streetmachine in die Radstation. Ich erkundige mich nach der Strecke bis Gütersloh und ein Mitarbeiter brummt mich genervt an:“Mit nem Leihfahrrad?“ Ich verneine und da mag er mir dann auch keine Auskunft mehr geben. Er behauptet, es nicht zu wissen und lässt mich unverrichteter Dinge wieder abziehen. Vor der Tür sitzt ein junger Mann in einem Café, der mir immerhin die Richtung zum Radweg weist. Bis Gütersloh geht es durch die Felder und ich fahre recht flott, beschwingt durch den Gedanken, meine Familie bald wiederzusehen. Am Stadtrand passiert es mir dann, dass ich den Radweg verliere. Ich befrage in meiner Not doch noch einmal das Navi, das mich prompt auf eine für Fahrräder verbotene Haupteinfallsstraße führt. Mindestens 3 Autofahrer hupen mich erbost an. Willkommen in Ostwestfalen!

Meine Überraschung glückt nicht gerade Hollywood-gemäß: da mein kleiner Musiker seine Noten im Auto vergessen hat, kommt er just in dem Moment noch einmal aus dem Schulgebäude, als ich um die Ecke biege. Er nimmt mein Erscheinen erstaunt zur Kenntnis, und saust an mir vorbei mit der Bemerkung, er müsse jetzt ganz schnell seine Noten holen, denn die Probe habe schon begonnen. Ich muss feststellen, dass ich die einzige bin, die einigermaßen gerührt vom Wiedersehen ist. Als ich in die Aula husche, die Kinder anfangen zu musizieren und ich in der ersten Reihe meinen Mann erblicke, vor sich den Kinderwagen mit unserem friedlich schlafenden Jüngsten, kommen mir tatsächlich die Tränen. Vermutlich eine Mischung aus Dankbarkeit und Erschöpfung…

Alles in allem bin ich reicher an Erfahrungen geworden, wovon die mit Abstand schönste ist, wie viele spontan hilfsbereite Menschen doch in der Welt herumlaufen! Ohne diese Begegnungen wäre ich wohl spätestens in Trier in den Zug gestiegen…

Der Alltag hatte mich bald wieder und doch bin ich mir sicher, dass die nächste Radreise stattfinden wird. Björn und ich träumen ja schon lange von einer Durchquerung der Pyrenäen vom Mittelmeer zum Atlantik…

An dieser Stelle sende ich herzliche Grüße an Veronika & Arnold und, falls er noch im Liegeradforum unterwegs ist, an Gerhard, den Vorbesitzer meiner Streetmachine.

 

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